Trans* Männer (und trans* maskuline Personen) schreiben – Teil 2

Ich wurde in verschiedenen Kontexten schon gefragt, wie man am besten trans* maskuline Charaktere schreibt. Also habe ich mich an einem Beitrag versucht und festgestellt, dass ich zu dem Thema derartig viel zu schreiben habe, dass ich den Beitrag dringend aufteilen muss. Ich werde dafür eine eigene Kategorie anlegen: OwnVoice Guide.

Im zweiten Teil unseres Artikels sprechen wir heute über die Körper trans* maskuliner Menschen und über geschlechtsangleichende Maßnahmen.

Vorwort

Ein wichtiger Hinweis zuerst: Die folgenden Hinweise sind aus meiner Perspektive verfasst. Ich versuche, möglichst viele Perspektiven abzudecken, aber es wird immer trans* Männer geben, die sich dadurch nicht repräsentiert fühlen. Ich selbst bin auf dem weiten, weiten trans* maskulinen Spektrum außerdem dem binären Mann in der Regel recht nahe - es gibt trans* maskuline Personen, die sich viel stärker oder in ganz anderen Bereichen nicht-binär verorten.
Dieser Guide darf außerdem niemals dazu verwendet werden, anderen trans* maskulinen Personen ihre eigene Sicht auf ihre Identität abzusprechen. Er darf allerdings dazu verwendet werden, Mythen und Vorurteile über trans* maskuline Menschen zu entkräften.

Glossar

Trans* - Die Abkürzung für transgender, das heißt für Menschen, deren Geschlecht von dem abweicht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Der Stern (*) steht für das volle Spektrum dieser Erfahrung, das sich nicht auf das binäre Geschlechtersystem beschränkt. Die Bezeichnung trifft keine Aussage über die sexuelle Orientierung.

Cis - Die Abkürzung für Cisgender, das heißt für Menschen, deren Geschlecht mit dem übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Die Bezeichnung trifft keine Aussage über die sexuelle Orientierung.

Trans* maskulin - Menschen, deren Geschlecht auf dem Geschlechterspektrum stärker in die maskuline Richtung tendiert, als das, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Trans* maskuline Menschen können, müssen sich aber nicht als Mann bezeichnen.

Transition - Der Prozess, das eigene Geschlecht gesellschaftlich, manchmal, jedoch nicht immer, auch körperlich, durch verschiedene Maßnahmen, anzugleichen. Dazu gehören manchmal, aber nicht immer, die Änderung des Namens, die Anpassung der Kleidung, des Sozialverhaltens und vieler weiterer Faktoren, die nach außen die Darstellung der Geschlechterrolle ausmachen.

Dead name - wörtl. "toter Name" - der abgelegte Name einer Person

Deadnaming - eine trans* Person mit alten Namen oder Pronomen ansprechen

Disphorie - Eine weitreichende Beschreibung und Sammlung von Gefühlen bezüglich des Körpers und der Identität, die eine Inkongruenz zwischen aktuellem und erwarteten Selbstbild, Körperbild, Außenbild ausdrücken

HRT - Hormone Replacement Therapy, zu deutsch Hormonersatztherapie, bezeichnet die Behandlung eines trans* Menschen mit bestimmten Geschlechtshormonen. Man unterscheidet hier zwischen Hormonblockern und den Hormonen selbst.

Passing, passen - Die Situation, sozial als das tatsächliche Geschlecht wahrgenommen zu werden, d.h. in diesem Fall als Mann

Trans* maskuline Körper

Dieser Abschnitt soll darüber informieren, in welchem Spektrum an Darstellungen sich trans* maskuline Körper mit und ohne HRT bewegen können. Wichtig ist, dass hier ein ausgewogenes Verhältnis gefunden wird - manche trans* maskuline Personen passen sehr mühelos, andere haben damit große Probleme, wieder andere passen je nach Situation, Kleidung, Umfeld besser oder schlechter. Weder ist das Passing trans* maskuliner Personen generell gut, noch ist es generell schlecht. Hier eine unvollständige Liste an Faktoren, die das beeinflussen und die in der Darstellung miteinbezogen werden können.

Körper ohne HRT

Es hat sich in den Medien ein bestimmtes Bild von trans* maskulinen Menschen vor der oder ohne HRT durchgesetzt. Es wird davon ausgegangen, dass trans* maskuline Personen, in Anlehnung an das Ideal von femininen Personen, schmal, klein, mit wenig Muskelmasse, schmalen Schultern, wenig Behaarung, sichtbaren großen Brüsten, hoher Stimme und einem femininen Gesicht ausgestattet sind und dadurch ohne Transition von vornherein immer als nicht maskulin betrachtet werden.

Jeder, der sich auch nur fünf Minuten in der realen Welt aufhält, wird schnell bemerken, dass es bei Weitem nicht so einfach ist. Gendergrenzen sind extrem willkürlich gezogen, und das propagierte Ideal wird nur von einem verschwindend geringen Teil zu 100% erfüllt. Dafür gibt es auch willkürliche Anzeichen, die im Zweifelsfall darüber entscheiden, ob ein Passing zustande kommt.

Körperproportionen

Bei weitem nicht alle trans* maskulinen Menschen sind mit schmalen Schultern oder breiten Hüften ausgestattet. Ein entsprechend schmales Becken im Vergleich zu regulär breiten oder sogar breiteren Schultern ist keine Seltenheit, genauso wie eine bevorzugte Fettverteilung am Bauch statt an Hüften und Oberschenkeln. Zudem gibt es auch cis Männer, deren Figur eher sanduhrförmig verläuft, was auch als durchaus attraktiv gelten kann, je nach Schönheitsideal. Auch schmale Schultern sind bei cis Männern keine Seltenheit, sodass auch diese vorkommen können, aber keinen aussagekräftigen Unterschied produzieren. Durch viel Training oder schwere Betätigung können trans* maskuline Menschen, je nach genetischer Anlage, auch sichtbare und maskulin wirkende Muskeln entwickeln. Fakt ist jedoch, dass dieser Prozess schwerer fällt ohne HRT. Zudem liegen durch HRT in der Regel Muskeln besser sichtbar unter einer geringeren äußeren Fettschicht, dieser Effekt wird durch Testosteron ausgelöst.

Körperbehaarung

Es ist durchaus nicht so, dass trans* maskuline Personen zwingend durch zu geringe Behaarung generell auffallen würden. Zudem können trans* maskuline Personen auch ohne Hormonsubstitution einen erhöhten natürlichen Androgenspiegel besitzen, der wiederum ihre Behaarung beeinflusst. Es gibt außerdem Krankheiten, die den natürlichen Androgenspiegel heben, zum Beispiel PCOS. Dieser erhöhte Androgenspiegel kann sich in Bartschatten oder Bartstoppeln, in seltenen Fällen auch in einem echten Vollbart äußern. Prinzipiell ist eine leichte Gesichtsbehaarung aber auch bei Trans* maskulinen Personen nicht unwahrscheinlich.
Generell sind trans* maskuline Personen ohne Hormonsubstitution zwar weniger behaart, das bezieht sich aber dann auf Bereiche, die die Öffentlichkeit nicht zu sehen bekommt. Eine ausgeprägte Bein- und Armbehaarung ist durchaus möglich, eine Bauch-, Rücken-, Schulter- oder Brustbehaarung dafür seltener. Prinzipiell sollte man die Haarfarbe und damit die überwiegende Farbe der Behaarung miteinbeziehen - rothaarige und blonde Menschen haben generell eine hellere und dünnere Behaarung, auch cis Männer. Allerdings gibt es auch indigene Völker, die entweder Enthaarungsmethoden standardmäßig verwenden oder generell weniger Bart- oder Körperhaarwuchs besitzen.

Realistisch ist, dass vor allem europäischen westlichen Kontext weniger und dünnere Körperbehaarung mit einem geringeren Alter assoziiert wird. Trans* maskuline Menschen werden im Durchschnitt also jünger geschätzt werden, als sie sind, bis das Alter erreicht ist, in dem bei cis Männern generell Haarverlust einsetzt und die Körperbehaarung generell etwas ausdünnt oder ergraut und dadurch weniger sichtbar wird.

Wimpern sollte man aus seinen Betrachtungen komplett ausklammern. Trans* Männer haben keine dichteren, längeren, dunkleren oder sonstwie eindrucksvolleren Wimpern als cis Männer.

Gesichtsstruktur

Tatsächlich finden sich die meisten Unterschiede in der Wahrnehmung der Gesichtsstruktur und diese wirkt sich stark auf den Gesamteindruck aus. Entscheidend ist dafür oft vor allem die Kinnpartie und die generelle Rundheit des Gesichtes. Menschen mit runderen Gesichtern wirken meistens jünger.
Charaktere mit viel Körperfett gewinnen an dieser Stelle allerdings einen Vorteil: dieses zeichnet sich im Gesicht relativ gleichmäßig ab und führt generell zwar zu einem runderen, oft auch aber auch älter wirkenden Gesicht, was Unterschiede verwischt und damit trans* maskulinen Menschen entgegen kommt.

Stimme

Stimmen sind stark gegendert und deshalb auf ein wesentlicher Faktor für trans* maskuline Menschen. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung ist es jedoch nicht so, dass cis Männer durchgängig wesentlich tiefe Stimmen besitzen. Allerdings kommt der durch Testosteron eingeleitete Stimmbruch natürlich der entsprechenden Wahrnehmung zugute. Höhere Stimmen werden eher mit Jugend assoziiert, allerdings spielen auch wesentlich die Stimmodulation und das Stimmtraining eine Rolle. Durch andere Aussprache und Verlagerung der Tonlage kann die Stimme eines trans* maskulinen Charakters uneindeutig oder jugendlich maskulin klingen, oder auch so maskulin, dass ein Passing problemlos zustande kommt. Hilfreich kann dabei auch ein Sprachcoach sein.

Intimausstattung

Generell sollte man bei trans* maskulinen Personen darauf verzichten, von femininen oder weiblichen Genitalien zu sprechen, falls man diese überhaupt erwähnt. Zu beachten ist, dass es auch trans* maskuline Intersexmenschen gibt, die beispielsweise einen Penis in unterschiedlichster Größe besitzen können, in verschiedenen Formen der Funktionalität.

Es ist absolut unangebracht, außerhalb von inhaltlich wichtigen Szenen den Fokus auf die Genitalien einer trans* Person zu lenken. Das heißt, wenn es sich nicht dediziert um eine Erotikszene handelt, sollte man die Genitalien einer trans* maskulinen Person auch außen vor lassen. Spekulationen anderer Charaktere darüber, welche Intimausstattung eine trans* maskuline Person besitzt, sind stigmatisierend und geschmacklos.

Brüste

In populären Mediendarstellungen wird Brüsten beim Passing regelmäßig sowohl zu viel als auch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Deshalb hier ein kurzer Abriss, was Binding ist und was man beachten muss, wenn man diese Technik selbst anwenden oder für einen Charakter schreiben will.

Zunächst einmal ist Binding weder komplett einfach und schmerzfrei, noch absolut entscheidend für ein Passing. Eine große Rolle spielt einerseits die Größe der Brüste, andererseits die Kleidung, vorhandenes Körperfett, Körpergeometrie (Breite des Brustkorbs, Verhältnis Taille zu Brustkorb ect.), und auch die Form der Brüste.

Wann Binding kaum eine Rolle spielt
Lose Kleidung verdeckt kleine und mittelgroße Brüste oft ausreichend gut, sodass ein gutes Binding dann keine Rolle spielt. Kleidungsstücke, die außerdem natürlich gerade sind und eine flache Silhouette erzeugen und die Seiten des Oberkörpers verdecken, sind oft wirksam darin, Brüste zu verstecken, zum Beispiel Anzüge oder offene Hemden über weiten T-Shirts. Es gibt genug Brüste, die nicht rund sind, sondern recht flach am Körper liegen und deshalb weniger merklich sind. Bei Charakteren mit viel Körperfett könnten die Brüste auch als natürliche, maskuline Körperfettablagerung interpretiert werden statt als feminine Brüste. Richtig positioniert können Brüste auch wie maskuline Brustmuskeln wirken.

Wann Binding eine große Rolle spielt
Binding schränkt Menschen, die dieses tragen, je nach Größe der Brüste ein wenig bis extrem ein. Ein Bindung erzeugt durch die Brüste hohen Druck auf den Brustkorb, vor allem bei langem Tragen. Dieser stetige Druck kann die Rippen sogar für immer verformen. Die Atmung ist eingeschränkt und abgeflacht, schwere körperliche Anstrengung führt zu Atemknappheit. Es kann zu Rückenschmerzen und im schlimmsten Fall sogar Wirbelsäulenfehlstellungen kommen.
Besonders große Brüste (Körbchen C und aufwärts) lassen sich selten sinnvoll durch ein Binding verstecken. Sie erhöhen außerdem das Risiko, dauerhafte Schäden zu erzeugen.
Binding, vor allem falsches und zu lang dauerndes Binding, kann außerdem dauerhaft das Gewebe der Brüste schädigen.

Generell wird selbst bei einem guten Binding empfohlen, dieses nicht länger als 8 Stunden am Stück zu tragen, sonst drohen längerfristige Schäden, Schmerzen und die genannten Verformungen. Einen Binder zu tragen führt aber auch bei sicherem Tragen, vor allem bei größeren Brüsten, häufig zu Schmerzen in diesen. Auch Nacken- und Schulterschmerzen durch starre Träger oder die Einengung sind möglich.

Binding gelingt am besten durch ein Kleidungsstück mit festem Stoff. In altertümlichen Settings kann das eine eng anliegende, feste Weste sein, oder ein entsprechendes Mieder/Korsett. Heutezutage gibt es dafür speziell hergestellte Binder und Kompressionsunterhemden bei Männerbrüsten (Gynäkomastie).

Die oft gewählte Darstellung eines Bindings mit Verbänden (weiße, schmale Stoffstreifen) ist falsch und schädlich. Ein solcher Verband verhindert das Atmen, da der Stoff nicht dehnbar ist, und deshalb sehr unsicher. Das selbe gilt für starre Behelfe wie Klebeband ect.

Körper mit HRT

Wie funktioniert HRT bei trans* maskulinen Personen?

Hormonersatztherapie erfolgt bei trans* maskulinen Personen durch Testosterongabe. Diese sind entweder als 1 bis 3 Monatsspritze mit Depotwirkung, oder als täglich aufzutragendes Gel verfügbar. Die Wirkung ist dabei identisch, und es gibt keinen Unterschied in der Wirkschnelligkeit oder Effektivität.

Anders als trans* feminine Personen erhalten trans* maskuline Personen keine Hormonblocker, das heißt, wenn es eine natürliche Produktion von Östrogen und/oder Gestagen gibt, wird diese nicht unterdrückt.

Was verändert sich durch HRT nicht?

HRT

  • verringert zwar den Fettanteil in den Brüsten und lässt das Gewebe weicher und deshalb flacher werden, die Brüste verschwinden aber nicht
  • führt außerhalb der Pubertät nicht mehr zu Skelettwachstum
  • verhindert die Periode meist nur temporär. Sie bleibt in vielen Fällen nicht für immer aus, sondern nur für einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren
  • verhindert weder Eisprung noch Schwangerschaft. Diese sind nach wie vor möglich, auch ohne Periode. Trans* maskuline Personen müssen reguläre Schwangerschaftsverhütung betreiben. Bei einer ungeplanten Schwangerschaft, die nicht abgebrochen werden soll, ist Testosteron sofort abzusetzen

Was verändert sich durch HRT?

Folgende Änderungen sind möglich, aber müssen sämtlichst nicht zwingend auftreten:

  • Erhöhung der Körpergröße, Größe der Hände und Füße um wenige Zentimeter (vermutl. durch Ausdehnung der Gewebe (Muskeln) zwischen den Knochen, Streckung der Wirbelsäule)
  • Vergrößerung oder Wachstum der Klitoris, zwischen kaum merkbar bis zu 10cm (sehr selten, im Durchschnitt etwa 4cm), dies wird als Klitorispenoid, verkürzt auch clitpen oder simpel Penis bezeichnet
  • verstärktes Haarwuchstum am ganzen Körper
  • Haarausfall bei Kopfhaar
  • Bartwachstum
  • Stimmbruch
  • Verbesserung der mentalen Stabilität, höhere Ausgeglichenheit
  • Muskelwachstum
  • Verringerung des Körperfettanteils und der Dicke der Fettschicht unter der Haut
  • Gesteigerte Leistungsfähigkeit
  • Körperfettumverteilung - weniger Fett an Po und Hüfte und den Oberschenkeln, mehr Bauchfett

Geschlechtsangleichende Operationen

Zunächst ein wichtiger Disclaimer:

  • Man spricht immer von Geschlechtsangleichung, nie von Geschlechtsumwandlung. Das Geschlecht wird nicht irgendwie mystisch umgewandelt, sondern die äußeren Gegebenheiten werden an das tatsächliche Geschlecht angeglichen .
  • Allzu oft wird der Wert einer trans* maskulinen Person, vor allem als Sexualpartner, daran fest gemacht, ob penetrativer Verkehr mit einem Penis in Wunschgröße möglich ist. Das ist eine schädliche Erwartung und man sollte dringend vermeiden, diese Erwartung in die eigene Geschichte einzubringen. Genauso unnötig und pietätlos ist es, trans* Charaktere vor dem Geschlechtsverkehr lang und breit erklären zu lassen, welche OPs durchgeführt wurden, oder cis Charaktere fragen zu lassen, welche OPs schon durchgeführt wurden. Allein die Annahme, dass eine trans* maskuline Person unbedingt angleichende Operationen wollen muss, um auch ausreichend maskulin zu sein, ist schädlich.
  • Wenn ihr außerdem mehr über die Operationen erfahren wollt, informiert euch bitte eingehender auf anderen Portalen. Dieser Abschnitt soll nur Stichworte und einen groben Überblick liefern.
  • Operationen dauern lange und/oder sind sehr teuer. Wenn die Operation von der Krankenkasse getragen wird, bezahlt man nichts, aber der Weg dahin ist lang. Dazu sind medizinische und psychatrische Gutachten (in Deutschland) notwendig, sowie ein Beratungsgespräch bei dem*der Chirurg*in der Wahl, und dazu ist bei weitem nicht jede*r Chirurg*in geeignet, da es sich um ein Spezialgebiet der plastischen Chirurgie, teilweise der Urologie handelt. Einige Prozeduren sind nur in mehreren OPs zu schaffen. Die Heilungszeit ist vor allem bei Genitalangleichung lang. Schreibt deshalb nicht von zwanzigjährigen trans* maskulinen Personen, die via himmlischer Fügung alle OPs bereits durch haben und einen perfekten, narbenfreien Körper haben, der ganz genau so wie ein cis maskuliner Körper funktioniert. Das ist Bullshit.

Achtung, der folgende Abschnitt beschreibt verkürzt, aber sehr grafisch, medizinische Operationen. Deshalb hier eine Triggerwarnung! Lest nicht weiter, wenn die Schilderung von Operationen euch triggert!

Mastektomie

Die unter trans* maskulinen Menschen verbreitetste OP ist die Mastektomie. Dabei werden die Brüste meist mit einem charakteristischen, unter der Brust entlang laufenden Schnitt geöffnet und das Drüsengewebe sowie zusätzliche Haut entfernt. Die Brustwarzen werden meist von der Haut gelöst, eventuell verkleinert und an einer neuen Position wieder angenäht, es sei denn es handelt sich um sehr kleine Brüste und Brustwarzen.

Nach der OP sind die Brustwarzen erst einmal taub, das kann sich geben, kann aber auch so bleiben.

Hysterektomie

Entnahme des Uterus.

Metoidioplastik

Der vorhandene, durch Testosteron gewachsene Klitorispenis wird freigelegt (ist sonst mit den inneren Schamlippen verbunden und wird von diesen nach unten gezogen) und auf Wunsch die Harnröhre durch diesen hindurch verlegt, dabei wird der Penis auf der Unterseite verschlossen. Ermöglicht das Urinieren im Stehen und mehr Beweglichkeit des Klitorispenis.

Nach erfolgter Metoidioplastik kann auch nachträglich ein Penoidaufbau erfolgen.

Penoidaufbau

Dabei wird ein Penis aus Haut der trans* maskulinen Person aufgebaut. Dieser ist ohne Penispumpe nicht erektionsfähig. Meist werden dabei Uterus und Vagina entfernt, da der Hodenaufbau nur stattfinden kann, wenn der entsprechende Bereich verschlossen wird. Eine langwierige Operation, die oft mehrschrittig (erst Aufbau, dann Einbau der Pumpe) durchgeführt wird.

________________________________________________

Im dritten Teil beschäftigen wir uns dann noch mit trans* maskulinen Charakteren als Persönlichkeit, mit Dysphorie und mit Do's und Don'ts.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.