Bayonetta – Review [Repost]

 

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Worum geht’s überhaupt in Bayonetta?

Vor langer Zeit bewahrten die Lumenweisen und die Umbrahexen das Gleichgewicht der Welt. Es kam, wie es kommen musste, ein Lumenweise und eine Umbrahexe hielten sich nicht an das Gebot, die Finger bei sich zu behalten, und heraus kam ein Kind. Zur Sicherheit der Welt wurden sowohl Kind als auch Mutter eingekerkert. Doch das Ungleichgewicht mündete in einem Kampf zwischen Himmel und Hölle, den die Umbrahexen gewannen; die Lumenweisen wurden vernichtet. Geschwächt durch den langen Krieg wurden die Umbrahexen jedoch Opfer der Hexenverfolgung und ebenfalls fast ausgerottet.

Die Story

Ein Journalist auf einer übernatürlichen Spur findet in einem See einen Sarg, in dem eine junge Frau liegt – Bayonetta. Sie erwacht aus ihrem Schlaf und kann sich an wenig erinnern. Na, kommt euch das bekannt vor? Jep, es ist der gute alte Amensieplot. Bayonetta erinnert sich nicht an ihren wahren Namen oder was mit ihr passiert ist. Aber sie weiß, dass sie eine Hexe ist, dass sie Visionen von ihrer Vergangenheit hat und dass eine mysteriöse Stimme, die immer ein bisschen klingt als hätte sie gerade was richtig Gutes geraucht, mit ihr spricht und ihr sagt, sie solle die „Augen der Welt“ erwecken. Außerdem wird sie Zeit ihres neu gefundenen Lebens von Engeln verfolgt, die sie offensichtlich in die Hölle befördern wollen.

Zu Beginn des Spiels erhält Byonetta einen Tipp, der genausogut eine Falle sein könnte: jemand hat auf dem Schwarzmarkt einen Edelstein feilgeboten und erklärt, er wäre eines der „Augen der Welt“, hat aber den Kaufpreis so hoch angesetzt, dass niemand den Stein erwerben wollte oder konnte. So wandert der Stein zurück nach Europa, in die fiktive Stadt Vigrid. Der Name kommt nicht von ungefähr:

In der altnordischen Mythologie „Feld des Kampfes“, das Schlachtfeld vor Walhall. Auf ihm findet beim Ragnarök der Kampf zwischen Riesen und Götter statt.

So weiß man also schon, was Bayonetta auf dem Weg zum „Auge der Welt“ erwarten wird – jede Menge Engel zum Vermöbeln! Dazu eine mysteriöse Frau, die Bayonetta zu kennen scheint und deren Kampfstil und Gliedmaßenabmessungen sie als eine Hexe auszeichnen, und der Sohn des damals so tragisch verstorbenen Journalisten, der auf einem privaten Rachefeldzug gegen Bayonetta ist.

Die Welt

Seit dem Armageddon hat sich die Welt aufgespalten. Neben der Menschenwelt gibt es Inferno und Paradiso, also die Hölle und den Himmel. Zwischen allen drei Welten erstreckt sich eine Zwischenebene, das Purgatorio, das magisch unbegabte Menschen nicht betreten und nur vage Auswirkungen der Kämpfe in dieser Zwischenebene spüren können.

Da alle Welten eigentlich gleich sind, nur in unterschiedlichen Sphären gekapselt, bekommt man allerdings bestimmte Maps immer wieder zu sehen, nur eben einmal normal, einmal mit Lava und einmal mit fliegenden Federn. Yay für Recycling! Zumindest wenn man zum dritten mal durch die selbe Map hüpft, findet man es nicht mehr so aufregend. Das Design ist durchgängig schön, angenehm farbenfroh (ja, ich schaue euch an, jeder Shooter der letzten Jahre mit grisselig-grauer Farbpalette!) und wirkt vor allem seltsam unirdisch. Es fühlt sich zu keiner Zeit wirklich europäisch an, sondern als hätte man Designeinflüsse aus verschiedenen Kulturen wild vermischt. Das Ergebnis kann sich nichtsdestotrotz wirklich sehen lassen und wirkt dadurch orts- und zeitlos. Schade ist eigentlich nur, dass die Maps sich nie so anfühlen, als wären sie wirklich bewohnt, selbst wenn Menschen als geisterhafte Silhoutten durch das Bild gehen – dazu ist der Aufbau der Welten einfach zu schlauchartig.

Gates of Hell

Ein besonderer Ort in Bayonetta ist das „Gates of Hell“, eine Bar, die in Wirklichkeit das höllische Waffenlager von Barbesitzer Rodin ist. Der verkauft nicht nur allerlei magischen Schnickschnack und nützliche Techniken, sondern tauscht auch wertvolle Fundstücke gegen Waffen ein.

Das Gameplay

Wie schon vermutet spielt man Bayonetta, die mit einer Vielzahl von Schlagwaffen und Schießeisen gegen die immer wieder anrückenden Engelshorden zu Felde zieht und sich dabei munter durchschnetzelt. Aber auch Geschicklichkeits- und Rätseleinlagen gibt es immer wieder.

Die Level

Die Level sind wie erwähnt allesamt sehr linear. Man kann kurze Nebenpfade betreten, diese brechen aber immer nach kürzester Zeit ab. Dafür kann man je nach Schwierigkeitsgrad recht viel Zeit damit verbringen, einen Gegner mit Kombos in den Boden zu stampfen oder mit Finishing Moves nach und nach zu demontieren. Die Spiellänge der Level variiert dabei wirklich extrem, und da man eigentlich nur zwischen den Leveln speichern kann, schaltet man dann manchmal doch lieber entnervt aus.

Hier kann ich nicht herunter falleeeeeeeeeeeeennnnnnn…

Was wirklich ärgerlich ist, ist die fehlende Kontinuität der Betretbarkeit bestimmter Areale. Prinzipiell kann man nirgendwo von der Map herunter fallen und sterben, außer wenn Keks. Und wenn Keks ist dauernd mal. Dazu kommt noch, dass man ja immer auf der Suche nach versteckten Schätzen ist. Dabei muss man munter herum springen und verliert einen Haufen Zeit (die auch mit in die Punktwertung am Ende des Levels eingerechnet wird!), ohne dass wirklich ersichtlich ist, ob eine geheime Passage überhaupt im Bereich des Möglichen ist. Genauso kann man wirklich Stunden darüber meditieren, nach welcher Logik Gegenstände zerbrechlich sind oder nicht. Teilweise kann man Fensterscheiben, Statuen und Steine zertrümmern. Teilweise eben auch nicht. Der Grund liegt im Sein des Keks, er ist metaphysisch, beziehungsweise, es ist völlig zufällig.

Waffen

Die Waffen sind recht vielfältig, allerdings muss man sie sich durch das Sammeln von goldenen Engels-LPs verdienen. Diese droppen in Scherben bei verschiedenen Gegnern, lassen sich aber auch oft abseits der Wege finden. Es macht auf jeden Fall Spaß, nach ihnen Ausschau zu halten und die neuen Waffen auszuprobieren. Natürlich ist (weil Keks) auch ein Katana dabei. Es lohnt sich, alle Waffen auszuprobieren, die Peitsche beispielsweise ist nicht sonderlich schlagkräftig, hat aber eine hohe Reichweite und kann somit zum Verprügeln von fliegenden Quälgeistern benutzt werden. Dazu gibt es noch unzählige Kombos, jede individuell für die jeweils gewählte Waffe.

Haarmon, ich wähle dich!

Zusätzlich zu den Standardkombos, die aus Schlägen und Tritten zusammengesetzt sind, kann man sich mit Folter- und Hexenflechtenangriffen an den Gegnern austoben. Bei Folterangriffen zaubert Bayonetta aus ihrer magischen Tasche, oder woher auch immer, ein Foltergerät wie eine eiserne Jungfrau oder ein Fallbeil und tritt den Engelsarsch da mit Nachdruck rein, um dann genüsslich die Hinrichtung zu vollstrecken (dass eiserne Jungfrauen die lebenswichtigen Organe eigentlich verschonen, davon reden wir jetzt einfach mal nicht.) Bei Hexenflechtenangriffen verwendet Bayonetta das Haar, das sonst ihren Körper als eine Art Ganzkörperanzug umhüllt (Schambehaarung bekommt eine ganz neue Bedeutung!), als Portal ins Inferno, und ruft einen aus ihren Haaren bestehenden Dämon herbei, der den jeweiligen Engel dann mit Genuss entweder zu Brei zerkloppt oder verspeisst. Omnomnom!

Quicktimeevents

Manche lieben sie, manche hassen sie – eine Warnung, es gibt sie in diesem Spiel nicht zu knapp. Man benutzt sie für besonders gemeine Folterangriffe, Finishing Moves und natürlich in Actionszenen, in denen man seine Haut retten muss. Bei ersteren beiden kommt hinzu, dass man zunächst den Angriff auslöst und dann durch wütendes Hämmern auf eine weitere Taste die Stärke des Angriffs maximieren kann. Für die höchste Angriffsmaximierung gibt es gleich nochmal Punktebonus. Und ich muss sagen, das macht wirklich enorm Laune!

Aber ich bin kein Profigamer und hasse Quicktimeevents, kann ich Bayonetta dann überhaupt spielen?

Ja! Dafür gibt es sehr großzügige Schwierigkeitsgrade! Das System startet bei Anfänger und steigert sich über drei anfangs freigeschaltete Modusse bis zu Normal, was beim ersten Durchspielen im Grunde bedeutet: „Gib auf und stirb!“ Okay, vielleicht übertreibe ich hier, aber die Lernkurve ist da. Wer unsicher ist, sollte das Spiel am besten auf Anfänger oder Leicht starten. In den zwei leichten Modussen werden Ausweichen und Kombis übrigens teilautomatisch ausgelöst! Am Anfang ist man wirklich froh darüber, war man allerdings auf Normal, wo nichts mehr automatisch läuft, empfindet man Leicht nur noch als öde.

Was ist auf Normal und anderen Modussen schwieriger?

Nicht nur die Gegner werden bei jedem Schwierigkeitsgrad stärker und schwerer zu töten, nein, auch Quicktimeevents werden härter, man kann öfter sterben, die Gegner bekommen neue Angriffe und Tücken, und auf Normal muss man schließlich sein Magie- und Lebensenergiemaximum durch eigenes Zutun erweitern. Das heißt Kisten, Kisten, Kisten! Außerdem braucht man auf Anfänger und Leicht kaum Gegenstände, während ich auf Normal der guten Bayonetta beim ersten Durchspielen nur noch Dauerlutscher rein geschoben habe.

Warum Dauerlutscher?

Man sammelt im Laufe des Spiels immer wieder Zutaten. Aus denen kann man sich im praktischen faltbaren Taschenkessel Lutscher herstellen, die Magie und Leben auffüllen und Angriffskraft oder Abwehr steigern. Gemeinerweise wird aber jeder verwendete Gegenstand am Ende des Levels von der Punktrechnung abgezogen 🙁

Ekelfaktor

Bayonetta ist wirklich eklig, das nur als Warnung. Man kann Engel in wirklich allen Variationen in einem Regen aus Blut und Gedärm um sich spritzen lassen, spalten, zerreißen, zerplatzen lassen, was man möchte. Das kann für den einen oder anderen zu viel sein, vor allem wenn man riesige Monster gezielt demontiert, ist das nicht immer sehr lecker.
Was passiert, wenn Bayonetta getroffen wird? Sie pupst Rosenblätter. Ja, wirklich.

Rosenblätterpupse und andere Nervereien

Es lohnt sich nicht, darum herum zu reden: Das Spiel kann tierisch nerven. Entweder dann, wenn eine endlos lange Szene zeigt, wie tough Bayonetta doch die bösen Engel angiftet und dabei gelangweilt an einem Lutscher kaut, oder wenn das Spiel endlos zeigen muss, wie SPECIUL!!1-11!! Umbrahexen und ihre Stunts sind. Nach der zweiten derartigen Showkampfszene hat man das Prinzip verstanden und möchte gern selbst loslegen, denn wie schon erwähnt macht Kämpfen wirklich richtig richtig Spaß!

Stattdessen darf man Bayonetta, wie immer, auf den Schritt glotzen und sich langweilen. Liebe Entwickler, war eure Zielgruppe wirklich eine Reihe von Leuten die es nicht schafft, Youporn anzuwerfen und deshalb auf den computeranimierten Schritt einer Frau starrt und sich dabei einen von der Palme wedelt? Oder war das irgendein wirrer Fetisch der Entwickler? Anders kann ich mir nicht erklären, warum wir Bayonetta immer wieder zwischen die Beine starren, wo wirklich rein gar nichts zu sehen ist, weil es entweder unter ihrem haarigen Ganzkörperanzug verborgen ist, oder grade anderweitig keusch verdeckt wird. Von den überlangen Spinnengliedmaßen des Charakterdesigns fang‘ ich jetzt mal gar nicht an. Bayonetta ist extrem sexualisiert.

Genauso entnervend ist teilweise das Dämonenmonster, das aus einem Höllenportal kommt und den Gegner frisst. Ja, beim ersten Mal kostet man diese Szene gern in voller Länge aus. Beim zweiten Mal auch noch. Beim dritten mal möchte man am liebsten skippen.

Lauf, Statist Nummer 29, lauf!!!

Dann sind da noch die teilweise entnervend langwierigen Storyszenen, in denen es einfach niemand schafft, mal auf den Punkt zu kommen. Dann rennt eben ein verschreckter Zivilist statt 10 Sekunden lieber 30 irritiert im Kreis, während Bayonetta unsichtbar im Purgatorio Engel verprügelt.

Sound

Die Soundkulisse ist gut bis normal, allein der Kampfsoundtrack schwankt ständig zwischen „Fly me to the moon“ und einem zweiten nervigen Popsong. Vor allem ersterer Song kann einem nach mehrmaligen Hören ziemlich auf den Geist gehen, zum Glück hat man aber meistens anderes zu tun als sich auf die Musik zu konzentrieren. Sehr schön atmosphärisch fällt die Musikuntermalung für die Level in normalen Rätsel- und Kampfabschnitten aus. Die Synchronisation ist sehr gut auf die Charaktere zugeschnitten, da stört im Prinzip kaum, dass sie auf Englisch ist. Die deutsche Übersetzung ist nur teilweise lächerlich falsch, und zwar grundlos (also ohne, dass die Übersetzung dadurch näher an die deutsche Sprache gebracht wird).

Gesamtwertung

Wenn man ein Prügelspiel mit enormen (!) Spaßfakor und ein paar Geschicklichkeits- und Rätseleinlagen sucht, ist man bei Bayonetta richtig. Man sollte nicht zu empfindlich sein was Blut und Gedärm oder endloses Gelaber und aufgesetzte Coolness angeht und die Plotlöcher und Ungereimtheiten am besten ignorieren. Bayonetta hat enormen Wiederspielwert, wenn man sich auch an die höheren Schwierigkeitsgrade traut, man kann seine Einzelwertungen für jedes Level verbessern und auch immer wieder Kleinigkeiten entdecken, die man übersehen hat.
Prädikat: Extrem spielenswert!

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